Fernweh und Reisen – meine Top 3 Lieblingsbücher

Lieblingsbücher Reisen

Lesen macht süchtig. Mich zumindest. Es ist wie eine kleine Flucht vor dem Alltag. Raus aus dem Büro – rein in eine andere Welt. Natürlich kommt nicht jeder als Leseratte auf die Welt – aber das macht ja nichts. Manche schauen lieber Filme oder lassen sich Bücher in Hörbuchform vorlesen.

Liest du gerne? Dann ist meine neue Reihe Lieblingsbücher wohlmöglich interessant für dich. Starten werde ich hier mit meinen Top 3 Lieblingen zum Thema Reisen. Aber achtung: Fernwehgefahr!

Borderlines – Andreas Brendt

Oh man – dieses Buch bereitet mir gerade echt Fernweh. Wunderbar witzig und fesselnd geschrieben erzählt Andreas Brendt wie seine Reisesucht begann als er damals auf Bali von der Surfsucht befallen wird. Er lässt uns als Leser die nächsten 10 Jahre mitreisen, wobei das Surfbrett nie fehlen darf! Aber auch als Nichtsurfer kann man dieses Buch mehr als gut lesen. Auch wenn die Suche nach der perfekten Welle rund um den Globus hier im Mittelpunkt steht, geht es auch um andere relevante Themen wie der innere Konflikt zwischen Karriere und Reisen. Ein Thema, dass dich vielleicht auch sehr beschäftigt hat, nachdem du das erste mal von einer größeren Reise zurück kamst? Auf einmal passt man nicht mehr ins System. Was nun? Der unvernünftigen Leidenschaft folgen oder den sicheren Weg gehen?

Wenn du selbst schon viel gereist bist, findest du hier und dort auch lustige Details der verschiedenen Orte an denen er war. So waren mir zB einige Personen und kleine Orte in Australien sehr bekannt. 😉

Unsere Zivilisation zeichnet sich durch ein Heer von Verrückten aus. Es gibt die offensichtlich Verrückten und die tatsächlich Verrückten. Die, die anders denken und die, die nur an sich, Beruf und Karriere denken. (…) Also auf in das große Uhrwerk, ins Hamsterrad der Leistungsgesellschaft. Den ganzen Tag von früh bis spät und bis zum Feierabend. Dann TV-Hypnose, erschlagen ins Bett und nochmal von vorne. Und nochmal. Jeden Tag. Bis zum Ende.

Textauszug

XII. Peru, 2000
Der klobige Blecheimer wird langsam kleiner und erinnert mich mit einem Mal an die Spielzeugautos aus meiner Kindheit. Ungläubig schaue ich dem verstummenden Brummen hinterher, während der Bus allmählich am Horizont verschwindet. Ich bleibe ausgesetzt zurück. Die aufgewirbelte Staubwolke löst sich genauso in nichts auf wie meine letzte Verbindung zur Spezies Mensch.
Auf und davon. Einfach so.
Und wo kommt diese verdammte Hitze plötzlich her?

Ich hebe die Hand zum Schutz über meine Augen. Vor mir treffen sich die Wege und bilden eine Kreuzung, die in alle vier Himmelsrichtungen weist. Ich stehe in der Mitte, nicht den Hauch einer Ahnung, wo ich bin und wie ich weiterkomme. Kein Laut. Kein Zeichen von Zivilisation, Leuten oder Leben. Keine Schilder, keine Häuser, kein Telefon. Wegweisende Hilfen: Fehlanzeige! Nur Abgeschiedenheit. Endlose Weite und drückende Hitze, mit ein paar dornigen Sträuchern am Wegesrand. Das ist definitiv mein letzter Trip nach Südamerika – ohne Sprachkenntnisse!
Ein kahles Land, ein armes Land, ein Land, das den bunten Wünschen des Tourismus nicht gewachsen ist. Kein goldener Sand, keine Tropenfrüchte oder saftig grüne Palmen.

Wellen, die nach links laufen und laufen und laufen. Endlos! Es kursieren Gerüchte von Wasserwänden, die sich mehr als drei Kilometer den Strand entlang winden, sodass Ritte bis zu fünf Minuten Länge möglich sind. So erwacht ein Land aus dem Schneewittchenschlaf. Peru wird schon in naher Zukunft den weltweiten Blickwinkel der Surfgemeinde dominieren. Zumindest, wenn man den himmlischen Vorhersagen der Peruaner Glauben schenken darf.
In meinen Augen: Eine apokalyptische Aussicht. Also bloß schnell hin! Auf der Stelle, bevor dieses Paradies von der ganzen Welt überlaufen wird und wenn das mit den Wellen stimmt, muss ich das mit eigenen Augen sehen. Aber jetzt hocke ich hier im Off und frage mich: Wo kommt diese verdammte Hitze plötzlich her?

Vormittags hat mir der Taxifahrer ein paar helfende Dinge mit auf den Weg gegeben, die in einer mir unbekannten Sprache ihren Sinn verfehlt haben. Am Busbahnhof ist die Zeit gekommen, meinen Werdegang selbst in die Hand zu nehmen. Ausgestattet mit Wörterbuch und Zettel: Zerro Azul – da will ich hin!
Ich schreibe drei Worte auf: »Yo querer ir – Ich wollen fahren«, und hänge mein Ziel, Zerro Azul, an den Schluss. So einfach geht das. Dann suche ich mir eine Person in dem hektischen Treiben aus. Nach einer Minute wähle ich wahllos eine Frau mittleren Alters in sauberer Kleidung und ordentlichem Auftreten. Die Haare zusammengesteckt und der Ausdruck neugierig hilfsbereit, eine Lehrerin vermutlich. Ich tippe sie an und sage: »Yo querer ir Zerro Azul.«
Sie stutzt und bombardiert mich mit einer Salve fremder Laute, die vermutlich der spanischen Sprache entstammen sollen. Als sie fertig ist, wiederhole ich hoffnungsvoll mein Anliegen und rolle diesmal das R so südländisch, wie ich kann: »Yo q-u-e- rr-e-rr i-rr Zerro Azul.« Sie legt wieder los, ich verstehe nix. Zeit für Plan B, den es nicht gibt. Ich schaue so hilflos wie ich kann und probier’s mit: »English?«

Sie quasselt weiter, ich kann noch nicht mal Worte identifizieren. Soll das eine Sprache sein? Als nächstes wendet sie sich an einen vorbeikommenden, etwa sechzig Jahre alten Mann. Schickes Hemd und Stoffhose, der Schuldirektor. Die beiden unterhalten sich. Laut, mit Händen und Füßen. Das ist Lateinamerika! Ich stehe stumm daneben. Eine dritte Person wird hinzugezogen. Die beleibte Frau wirft ein paar Sätze in die Runde, bevor sie weiterschlurft. Die beiden machen eine Pause, vermutlich um zu atmen. Da kommt mir die rettende Idee! Ich zeige stolz, wie ein Schul­junge sein Zeugnis, meinen Zettel: »Zerro Azul«.

Das Gesicht des Mannes hellt sich auf. Treffer! Er weiß Bescheid und … beginnt wieder, mir etwas zu erzählen. Geräusche, Laute, Töne und ein Redeschwall, in dem ich Buchstaben allerhöchstens noch vermuten kann. Klasse. Er bringt Zeichensprache mit ins Spiel, weist irgendwohin und spricht dazu. Hoffnungslos. Schließlich greift er meine Hand und ich kann gerade noch mein ganzes Zeug zusammenpacken.

Journeyman – Fabian Sixtus Körner

Diese Buch nimmt dir die Angst vor dem ewigen Problem Ich würde gerne Reisen. Ich habe aber keine Kohle… Fabian Sixtus Körner erzählt wie er es geschafft hat mit nur 255 € auf dem Konto um die Welt zu kommen. Seine Idee: den Brauch der Walz neu interpretieren. So arbeitet er unterwegs für Kost und Logis in den verschiedensten kreativen Berufen, wie Architekt und Grafiker. Ohne festen Plan zieht er so um die Welt und hat seine vielen aussergewöhnlichen Erlebnisse in diesem Buch humorvoll zusammengefasst.

Unterwegs bloggt er hier über seine Reise. Im Buch befinden sich viele Bilder und QR-Codes, die das Erlebte noch greifbarer machen. Sehr inspirierende Idee!

Textauszug

Prolog

Im September 2007 zog ich zum ersten Mal alleine nach Übersee. Ich wollte mit einem Rucksack Vietnam bereisen, von Hanoi bis Ho-Chi-Minh-Stadt. Schon am zweiten Tag traf ich während einer Sightseeing-Tour zur Halong Bay auf den US-Amerikaner Jeff. Er überzeugte mich, meinen Plan über Bord zu werfen: »Lass uns die Pfade verlassen, die eine Armada von Reisenden ausgetrampelt hat«, lockte er mich.

Ich folgte ihm in den Nordosten von Laos, wohin sich kein anderer Ausländer verirrte – bis auf Jo, eine junge Australierin. Zu dritt saßen wir in Muong Khua fest, einem größeren Ort am Nam Ou, dem »Reisschüssel Fluss«. Der Monsun hatte dafür gesorgt, dass die Straßen von Schlammlawinen bedeckt und unbefahrbar geworden waren. Zwei Tage später kau en wir einem alten Fischer ein ausrangiertes Langboot ab, um durch den Dschungel flussabwärts nach Süden zu paddeln.

»Wir nennen es Lamsil«, lallte Jo am Abend vor unseremAufbruch. Mit Lao-Lao, dem laotischen Reisschnaps, tranken wir uns Mut an. Keiner von uns hatte zuvor ein Boot gelenkt. Schlimmstenfalls würden unsere Rucksäcke und das Boot dem Fluss zum Opfer fallen, beschlossen wir. Wir konnten schließlich alle schwimmen. »Lamsil, das steht für Loosing All My Shit In Laos«, erklärte Jo. Unser Boot hatte einen Namen.
Durch das viele Regenwasser war der Nam Ou gefährlich angeschwollen. Gleich die erste Stromschnelle erfasste unser Boot, machte es manövrierunfähig und brachte es fast zum Kentern. »Paddeln, paddeln, paddeln!«, schrie Jo hysterisch, während Jeff leise fluchte und ich panisch mit dem Paddel nach Grund stocherte. Mit dem Schrecken und unserem Gepäck kamen wir davon – wir hatten die erste aufgabe als Bootsbesitzer gemeistert, wenn auch ohne Bravour.

Vier Tage paddelten wir in sengender Hitze durch reißende Stromschnellen und tropischen Platzregen, durch dichtbewachsenen Dschungel voller brüllender Affen, kreischender Vögel und zirpender Zikaden, summender Moskitos und lautloser Schlangen. Dann waren wir am Ziel – Muong ngoi, mit seinen zahlreichen Gasthäusern, Hängematten und darin baumelnden Rucksackreisenden. Was uns jedoch in den verschiedenen Dschungeldörfern, in denen wir zwischen Muong Khua und Muong ngoi haltmachten, widerfuhr, hätte ich mir vor meiner Reise nach Südostasien nicht träumen lassen. Wir schluckten braunes Wasser und küssten gelben Sand, spielten Billard auf einem selbstgezimmerten Tropenholztisch, verloren unsere Kleidung an streunende Hunde, trafen auf Kinder in zerschlissenen Hemden, die mit Steinschleudern bewaffnet ihr Dorf verteidigten; wir schliefen bei Bauern- und Fischerfamilien auf staubigen Holzböden, kochten auf Feuerstellen, duschten unter Wasserfällen, lachten und tanzten mit den Einheimischen; bei Vollmond tranken wir ein ganzes Dorf unter den Tisch; wir kaufen eine Ente bei einer hundertjährigen Frau und schlürfen während einer feierlichen Zeremonie zu unseren ehren das Blut des Tiers; Dr. Lao heilte uns von all unseren Krankheiten; wir kommunizierten mit Händen, Füßen und einem Lächeln; uns wurden frittierte Heuschrecken, lebende Maden und gegrillte Katze gereicht; unsere Gedanken kreisten um Sonnenschutz oder die Frage, wie wir uns auf einem kanuartigen Boot erleichtern konnten, ohne die anderen Insassen anzupinkeln; wir litten an Hunger, Durst und Völlerei, hatten spröde Lippen und aufgeweichte, runzlige Finger; wir wurden argwöhnisch beäugt, neugierig berührt und liebevoll umarmt; der Nam Ou wurde unser Zuhause und der laotische Urwald unser Abenteuerspielplatz; Jeff verliebte sich in Jo und Jo verliebte sich in Jeff; Keilana, die Tochter des Bürgermeisters von Sop Kinh, trug mir die Heirat an. Nichts, was vorher gewesen war, interessierte uns mehr. Wir wollten im Fluss bleiben.

Als der Nam Ou uns zu unserem Ziel trug, waren wir am Ende unserer Kräfte, aber erst am Anfang einer Erkenntnis: Diese vier Tage auf dem Reisschüssel Fluss würden unser Leben verändern.

Laufen. Essen. Schlafen. – Christine Thürmer

Wenn ich nicht schon ein riesigen Wander-Fan gewesen wäre, bekäme ich es sicher nach diesem Buch! Christina Thürmer ist Managerin und wird dann auf einmal gekündigt. Sie entschließt sich für eine Auszeit und wandert den PCT, eine nicht gerade unbedingt anfängerfreundliche Strecke von 4277 Kilometern, die sie einmal quer durch die USA bringt. Sie schafft es tatsächlich und viele weitere Trails folgen noch.

Mitlerweile ich sie eine Bekanntheit in der Hiker-Szene und Deustchlands meist gewanderte Frau. Wie es ist als Frau alleine zu wandern und wieso Wandern ihre Berfung ist kannst du in diesem Buch lesen.
Für Wanderbegeisterte gibt es auch viele interessante Details zum Thema Ausrüstung und dazu Streckeninspiration ohne Ende. Nach dieser Lektüre möchtest du auch direkt rein in die Wanderstiefel und loslaufen!

Ein interessantes Interview mit der mitlerweile beruflich nurnoch langzeitwandernden Christina Thürmer gibt es auf Spiegel.

Robert fährt Slalom um zwei weitere große Schlaglöcher und versucht, mich auf seine Art zu trösten: »Seit fünf Jahren fahre ich Wanderer auf den Trail. Nur ein Drittel der Leute, die hier starten, wird jemals in Kanada ankommen. Aber gerade du hast statistisch gesehen die größte Chance, es bis dorthin zu schaffen: Du bist eine Frau, und du bist allein. Solo-Frauen sind am besten vorbereitet, und vor allem müssen sie niemandem etwas beweisen.«

Textauszug

Es ist mittlerweile sieben Uhr und ziemlich warm geworden. Wir müssen nun wirklich los. Der Moment, auf den ich fast vier Monate hin geplant habe, ist gekommen: Ich schultere meinen Rucksack und betrete langsam den vierzig Zentimeter breiten Fußpfad namens Pacific Crest Trail, der für die nächsten fünf Monate mein Zuhause sein wird. Die ersten Schritte sind noch zögerlich. Alles ist ungewohnt: die Last auf dem Rücken, die neuen Schuhe, die Trekkingstöcke.
»John, wie viel Wasser hast du dabei?«, frage ich nach einer halben Stunde, während ich die Gegend nach etwas Grünem absuche. Aber so weit das Auge reicht, sehe ich nur staubiges Gestrüpp. »Vier Liter«, antwortet John, der dicht hinter mir läuft. »Meinst du, das reicht?«
Genau dieselbe Frage stelle ich mir auch: »Ich habe auch nur vier Liter. Das muss reichen.«

Die nächste verlässliche Wasserquelle ist der Lake-Morena-Campingplatz – 32 Kilometer entfernt. Bis dahin gibt es keine Auffüllmöglichkeit, denn die kleinen saisonalen Rinnsale sind zu dieser Jahreszeit bereits ausgetrocknet. »Das heißt, wir müssen heute Abend oder spätestens morgen Vormittag den Campingplatz erreichen«, spricht John das Unvermeidliche aus. Keiner von uns beiden will ernsthaft über die Alternative nachdenken. Was, wenn wir uns verletzen oder uns verlaufen? Die nächsten Minuten sagt keiner ein Wort. Der kühle Swimmingpool in Roberts Haus in San Diego scheint plötzlich Lichtjahre entfernt.

Was sind deine Lieblingsbücher zum Thema Reisen? Hast du eins dieser Bücher schon gelesen?

Bei den Links handelt es sich um Affiliate Links. Es gilt aber wie immer – jeder Artikel spiegelt hier 100% meine ehrliche Meinung wieder.

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4 Replies to “Fernweh und Reisen – meine Top 3 Lieblingsbücher”

  1. Schöne Buchempfehlungen, die tatsächlich auch alle auf meiner Wunschliste stehen und dank deinem post auch wieder nach oben gewandert sind.
    Eins von denen werde ich nächste Woche direkt mit auf eine Wanderung nehmen 🙂
    Mfg
    bobo

    1. Oh sehr gut, mach das mal! Wo gehst du denn wandern?

      1. Hi Anni,

        Es wird wohl eine bike+hike Tour im Karwendelgebirge werden. Eigentlich ist mir garnicht besonders wichtig wo es hingeht, sondern dass man sich wieder ein wenig auf sich selbst konzentrieren kann und etwas den Kopf frei bekommt. Da hilft die Natur allgemein und die Berge besonders, auch wenn es nur eine Woche ist 😉

        Grüße aus dem Süden in den Norden

        1. Ja, das stimmt tatsächlich! Ich bin in 4 Wochen auch wieder wandern. 🙂 Ich freue mich schon riesig drauf!
          Lieben Gruß zurück!

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