Deine Gedanken sind nicht die Realität

Silhouette am Meer

Ich bin ein Mensch der generell dazu tendiert sich viele Sorgen und Gedanken zu machen. Gerade was Dinge angeht die noch garnicht passiert sind. Zukunftsängste und -szenarien waren mein ganzes bisheriges Leben mein steter Begleiter. Erst als meine Yogalehrerin einmal etwas fast beiläufig vor einer Meditation sagte, viel es mir wie Schuppen von den Augen – denn sie hatte ja so recht:

Deine Gedanken sind nicht real

Das stimmt so auffallend, dass es mein ganzes Denken verändert hat. Gedanken sind eben nur Gedanken. Sie spielen sich in deinem Kopf ab, aber nicht außerhalb dessen im realen und anfassbarem Leben.
Der menschliche Geist ist sowas wie deine körpereigene Software, die auf deinem physischem Körper – deiner Hardware – läuft. Sie verarbeitet, bewertet, sortiert, reagiert ununterbrochen. Sie wird von äußeren Einflüssen gefüttert und sendet dann an dein Empfinden und erzeugt dort Reaktionen wie Wut, Schmerz, Freude oder Trauer.

Deine sogegannte Stimme im Kopf, die wir im Yoga auch Monkey Mind nennen, redet sehr viel mit dir und will dir ständig Dinge einreden wie zB Ich bin die schlechteste hier in ganzen Workshop. Die anderen bekommen das alle besser hin…
Lass nicht zu, dass dein Geist dich kontrolliert. Aus negativen Gedanken entstehen neue negative Gedanken. Und vor allem eines:

Glaub deinem Geist nicht alles!

Es klingt fies, denn es sind ja deine eigenen Gedanken und die sollten ja zu dir halten, oder? Aber manchmal ist es eben genau andersherum. Dein Kopf will dir einreden, dass du schlecht, unfähig oder anderes bist. Das bist du aber nicht, erst wenn du anfängst auf deine Gedanken zu hören. Und irgendwann reagiertst du nurnoch, statt aktiv zu agieren.

Die meisten Menschen sind sich der Tatsache, dass ihr Gedanken nicht real sind, garnicht bewusst. Ich möchte damit auch nicht sagen, dass du keinem deiner Gedanken Glauben schenken sollst. Ich möchte dich nur dazu aufrufen sie etwas genauer zu hinterfragen, etwas Abstand davon zu nehmen und zu entscheiden welchen von ihnen du glauben kannst.

Der Urzustand deines Selbst ist Glück

Eine weitere Sache die ich von einem ehemaligen Mönch aus Indien gelernt habe ist, dass der Urzustand deines Selbst Glückseligkeit ist. Dein Geist gerät nur auf die schiefe Bahn, da er von äußeren Dingen beeinflusst wird und dann negative Gefühle wie Neid oder Angst erzeugt.

Die Welt – so wie du sie wahrnimmst – ist immer nur eine Projektion deiner Gedanken.

Warum das so ist und was du dagegen tun kannst möchte ich dir hier an zwei einfachen Beispielen erklären.

  1. Habgier/Begierde und Besitz
    Wir sind mit dem Wunsch nach materiellen Dingen aufgewachsen. Als Kind das große Feuerwehrauto haben wollen und als Erwachsener die neuen Nike Air. Unser Wunsch nach Hab und Gut ist nie gestillt. Haben wir das eine gekauft, ploppt der nächste Wunsch auf. Dieses Streben nach immer mehr macht dauerhaft unzufrieden, da man nie am Ziel seiner Wünsche ankommt.
    Diesen Kreis kannst du nur durchbrechen, indem du dich vollkommen von allen Begierden lossagst und lernst mit dem zu leben was du hast. Nicht so einfach, außer man wird Nonne, ich weiß. Aber vielleicht versuchst du es einfach in kleinen Schritten. Mach dir immer wieder bewusst das kaufen und Besitz nicht glücklich macht – in Realität ist es tatsächlich nämlich andersrum.
  2. Aktion und Reaktion
    Werd dir bewusst, dass dir bestimmte Dinge passieren (Aktionen). Das können zB Menschen sein die nicht fair zu dir sind, der Radfahrer der deinen Seitenspiegel abfährt, die Einkaufstüte die reißt…
    Auf jede Aktion folgt dann unweigerlich deine Reaktion. Zorn, Mutlosigkeit, Sorge. Was dabei aber besonders wichtig zu wissen ist, dass du keinerlei Einfluss auf die Aktion hast, sehr wohl aber auf deine Reaktion! Versuche immer möglichst gesammelt, rational und bewusst zu entscheiden wie du reagierst. Deine Reaktion bestimmt nämlich maßgeblich deine Gefühlswelt.
    Wenn du jetzt also den Radfahrer anbrüllst ist es sehr wahrscheinlich, dass er zurück brüllt und schon bist du in einer negativen Gefühlsspirale gefangen, gehst voller Wut im Bauch nach Hause und fühlst dich schlecht. Reagierst du aber besonnen und fragst nach seiner Nummer und Versicherung ist es auch wahrscheinlicher, dass er ruhig zurück reagiert. Und selbst wenn er trotzdem losbrüllt, dann hast du dir immerhin nichts vorzuwerfen, da du ruhig und rational geblieben bist!

Wie kannst du deine Gedanken kultivieren?

Wahrscheinlich hast du dir jetzt schon gedacht, was hier meine Antwort sein wird. Meditation kann dich all das lehren und gibt dir die nötigen Werkzeuge an die Hand.

Durch Meditation lernst du Stück für Stück zum Beobachter deiner Gedanken zu werden und nicht mitten in ihnen zu leben. Das ist ein langer Prozess, der auch nur durch ein konsequentes üben und eben auch den dazu passenden Lebenswandel erreicht werden kann. Es braucht viele Jahre Übung und viel Geduld, die man erstmal aufbringen muss. Aber es lohnt sich! Also bleib am Ball.

Falls du dich mehr mit dem Thema Meditation beschäftigen willst lies hier meinen Artikel 6 Grunde um mit dem Meditieren anzufangen.

Was für ein Gedankentyp bist du und wie geht es dir damit? Wirst du manchmal auch zum Opfer deines eigenen Kopfkinos oder hast du den nötigen Abstand zu deinen Gedanken?

16 Kommentare bei „Deine Gedanken sind nicht die Realität“

  1. liebe Anni,
    diesen Beitrag habe ich gerade verschlungen, denn ich fühle mich so angesprochen!!! ich bin auch so jemand, der sich ständig um alles Gedanken macht – 5 x das Baltt dreht und wendet, bevor es beschreibt …

    den Monkey Mind finde ich eine super Herangehensweise und auch, dass wir quasi dazu gemacht sind, glücklich zu sein 🙂

    danke für diesen tollen Beitrag! Namaste und liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von http://www.liebewasist.com

    1. Schön, dass er jemanden erreicht hat den das ebenso beschäftigt!

      Liebe Grüße zurück <3

  2. Ich glaube es braucht sehr viel Übung, gerade Meditieren stell ich mir gar nicht so einfach vor

    1. Ja das stimmt wohl 🙂 Aber wie bei allem macht Übung den Meister!

  3. Ein wahnsinnig schöner Artikel liebe Anni! Ich hab da auch so die Tendenz dazu, mir schlimme Sachen auszumalen, die dann gar nicht passieren. Das macht mein Gehirn oft ganz von selbst. Yoga und ruhige Musik inklusive Ausmalbücher helfen mir da sehr 🙂
    Alles Liebe,
    Theresa

    1. Ausmalen ist auf seine Art auch eine “meditative” Tätigkeit. Ich kann mir vorstellen, dass das guttut. Ich male selber auch gerne!

  4. Ja ja das liebe Kopfkino… im Laufe der Jahre habe ich gelernt das auch mal auszuschalten. Ich denke sonst würde ich verrückt werden. Gerade wenn Kinder dazu kommen kommen auch automatisch mehr Ängste dazu, daher bin ich froh das es mir gelingt das Kopfkino einfach auszustellen 🙂
    LG

    1. Hey Marina, das freut mich, dass du da einen Weg für dich gefunden hast 🙂

  5. Was für ein wundervoller Blogartikel! Danke dafür <3 Dieses Thema ist so wahr und wichtig! Ich beschäftige mich seit einigen Wochen auch mit Yoga und Meditation und bin sehr dankbar, dass ich an diesem Punkt angelangt bin. Es verändert wirklich so vieles zum Positiven. <3

    1. Hey Sam, es freut mich wirklich das zu lesen! Mir hat es auch so in den letzten Jahren geholfen und ich kann es nur jedem empfehlen <3

  6. Ein schöner Beitrag und so wahr! ich muss sagen in letzter Zeit funktioniert das ganz gut , diese Gedanken nicht zu zu lassen, oder besser gesagt das ganze um zudrehen und zu nutzen in dem man eben positive Gedanken hat.

    Lg aus Norwegen
    Ina

    1. Hey liebe Ina, das freit mich zu hören! Viele bedenken garnicht, dass man auch Herr seiner Gedanken sein kann – mit viel Übung.

  7. Hallo Anni,

    ich kenne das auch zugut. Mache mir auch immer und immer wieder über so viele Dinge Gedanken. Eigentlich komplett unnötig. Ich beginne dann auch manche Sache zu analysieren hahaha. Vor allem kann man die Dinge ja wirklich in unterschiedliche Perspektiven drehen. Meditation habe ich um ehrlich zu sein noch nie ausprobiert. Sollte ich vl mal machen.

    LG
    Tina

    1. Ja das ist echt unnötig. Vor allem weil es meist um Dinge geht, die noch garnicht passiert sind 🙂

  8. Danke für diesen inspirierenden Artikel. Da hast du mir und vielen sicherlich einen guten Denkanstoß gegeben. Ich kenne das nämlich auch nur zu gut, dass man von seinen Gedanken gesteuert wird und sich unnötige Dinge den Kopf endlos zerbricht anstatt aus dieser Gedankenspirale auszubrechen.

    Liebe Grüße,
    Diana von http://www.ineedsunshine.de

    1. Es freut mich sehr, wenn ich dich tatsächlich etwas dazu inspiriert haben sollte 🙂

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